Umschuldungskredit

Ganz gleich, ob herkömmlicher Ratenkredit, Baufinanzierung oder Kredit beim Onlinehändler, viele haben einen oder mehrere Darlehen, die oftmals seit einigen Jahren bestehen. Doch was, wenn die Zinsen im Laufe der Jahre günstiger geworden sind? Dies ist durchaus möglich, denn der Leitzins der Europäischen Zentralbank ist in den vergangenen Jahren stark gesunken. Dann können Sie mit einem Umschuldungskredit eine Menge Geld sparen. Sie lösen also ein bestehendes Darlehen bzw. die Restschuld durch einen Kredit mit günstigeren Zinsen ab. Dank der Zinsersparnis verringern sich die monatlichen Belastungen und somit die Gesamtkosten. Im folgenden Ratgeber erfahren Sie, was eine Umschuldung genau ist, für wen sie sich eignet und was es dabei zu beachten gibt.

Was ist ein Umschuldungskredit?

Einen teuren Ratenkredit einfach jahrelang laufen zu lassen, obwohl das Zinsniveau mittlerweile erheblich gesunken ist, ist verkehrt. Durch einen Wechsel lassen sich in vielen Fällen hohe Zinskosten einsparen, denn die Kredite sind in den letzten Jahren aufgrund der niedrigen Zinsen immer günstiger geworden. Wenn Sie einen Kredit abgeschlossen haben, ist es daher lohnenswert, diesen zu überprüfen und gegebenenfalls umzuschulden.

Bei einer Umschuldung handelt es sich um eine Art Anschlussfinanzierung. Sie finanzieren nach dem Ablauf der Zinsbindung Ihr Darlehen bei einer anderen Bank weiter und lösen also den alten Kredit (auch mehrere Kredite möglich) durch ein neues, günstiges Darlehen ab.
Dieses sollte natürlich günstigere Konditionen bieten, insbesondere hinsichtlich der Zinsen. Die Kreditumschuldung wurde schon immer praktiziert. Da die Banken jedoch gewinnorientiert arbeiten, muss sich der Kreditnehmer selbst über eine Umschuldung informieren bzw. die Kredite vergleichen.

Vorteile einer Umschuldung

Wenn Sie umschulden, zahlen Sie Ihre Schulden durch ein anderes Darlehen zurück, sodass Sie unter Umständen sehr viel Geld sparen und somit die Gesamtkosten des Kredits verringern können. Eine Umschuldung ist daher unbedingt empfehlenswert, wenn Sie vor einigen Jahren einen oder mehrere Darlehen zu deutlich ungünstigeren Konditionen aufgenommen haben, als die Kredite heutzutage angeboten werden. Die Kredit-Umschuldung bedeutet dank attraktiverer Konditionen eine finanzielle Entlastung, denn daraus ergibt sich oftmals ein großes Sparpotential.

Durch die Umschuldung verschiedener Kredite erhalten Sie zudem einen besseren Überblick über Ihre Finanzen. Sind die aktuellen Zinsen niedriger als beim Abschluss des Kredits, sollten Sie daher eine Umschuldung in Erwägung ziehen, um Ihre monatlichen Kosten zu verringern, die Sie für das Darlehen aufbringen müssen. Der neue Umschuldungskredit wird in die Schufa eingetragen, die zur Aktualisierung der Datenbank verpflichtet ist. Auch die neue Bank fragt gewöhnlich nach Schufa-Daten, Einkommensnachweisen und mitunter Kriterien wie Beschäftigungsdauer sowie vorhandenen Krediten.

Verbraucherkreditrichtlinie – bessere Bedingungen für Umschuldungen

Im Jahr 2010 ist die Verbraucherkreditrichtlinie in Kraft getreten. Die Bedingungen für Kreditnehmer haben sich dadurch verbessert. Nach dem 10. Juni 2010 aufgenommene Kredite können seitdem jederzeit vorzeitig getilgt werden. Es muss keine Kündigungsfrist eingehalten werden.

Die Vorfälligkeitsentschädigung, die Banken berechnen können, darf sich auf maximal 1% der offenen Restschuld belaufen, wenn der Kreditvertrag noch mindestens ein Jahr besteht. Ist die Vertragslaufzeit kürzer als zwölf Monate, beträgt die maximale Höhe lediglich 0,5% der Restschuld. Bei einem Kreditvertrag, der vor diesem Zeitraum abgeschlossen wurde, beträgt die Kündigungsfrist in der Regel drei Monate. Die Höhe der Vorfälligkeitsentschädigung ist hier jedoch nicht gesetzlich geregelt. Eine Baufinanzierung, die im Grundbuch abgesichert ist, gilt nicht als gewöhnlicher Ratenkredit, sodass die Vorfälligkeitsentschädigung bei einem Immobiliendarlehen höher ausfallen kann. Das neue Kreditinstitut benötigt bei Vertragsabschluss oftmals eine Ablösevollmacht, um die Umschuldung vollziehen zu können. Damit erhält die Bank den Auftrag, bestehende Verbindlichkeiten beim alten Kreditinstitut abzulösen.

Wann macht die Umschuldung Sinn?

Niedrigzinsphase

Vor allem in der Niedrigzinsphase können Kreditnehmer, die einen oder mehrere Darlehen abbezahlen, meist von einer Umschuldung profitieren. Dank des günstigen Zinssatzes können Sie monatlich oftmals mindestens einen zweistelligen Eurobetrag einsparen. Durch den günstigen Umschuldungskredit können teure Ratenkredite zusammengelegt werden. Durch eine Umschuldung können Sie den neuen Kredit außerdem an Ihre Situation anpassen. Sie können zum Beispiel eine längere Laufzeit vereinbaren, um die monatlichen Raten zu verringern.

Lange Laufzeit des alten Kredits oder hohe übrige Kreditsumme

Die Umschuldung macht insbesondere dann Sinn, wenn der Kredit noch einige Jahre lang läuft, noch ein hoher Betrag zurückgezahlt werden muss, der bestehende Kredit sehr hohe Zinsen aufweist und der Unterschied zum neuen Darlehen somit sehr groß ist.

Zusammenfassung von mehreren Krediten

Vor allem, wenn mehrere Darlehen umgeschuldet werden, ergeben sich bereits durch den Wegfall der jeweiligen Bearbeitungsgebühren und Kontoführungsgebühren oftmals große Ersparnisse. Wenn der Umschuldungskredit zu attraktiveren Konditionen abgeschlossen wird als das oder die Darlehen, können Sie einiges an Kosten einsparen. Die bestehenden Kredite sind also abbezahlt und künftig wird lediglich der Umschuldungskredit getilgt. Sie erhalten dadurch einen viel besseren Überblick.

Weiterer Kredit

Wenn Sie zusätzlich zum bestehenden Darlehen weitere finanzielle Unterstützung benötigen, ist eine Umschuldung ebenso sinnvoll. Da die Aufnahme eines Kredits meist die Bonität des Kreditnehmers beeinflusst, ist es oftmals schwieriger, einen erneuten Kredit bewilligt zu bekommen. Eine Umschuldung ist in diesem Fall häufig die einzige Möglichkeit für die Gewährung eines zusätzlichen Darlehens. Auch hier löst der neu aufgenommene Kredit den alten ab. Natürlich sollte sich die Höhe der Ausgaben verbessern.

Dispositionskredit

Lohnenswert ist eine Umschuldung auch bei einem Dispositionskredit (Kurzform Dispo), der mit dem Girokonto verknüpft ist. Er ist im Vergleich zum Ratenkredit teuer. Wenn Sie den Dispositionskredit regelmäßig in Anspruch nehmen, sollten Sie unbedingt über eine Umschulung nachdenken, da ein Ratenkredit auf jeden Fall die günstigere Wahl ist. Er kann Zinseinsparungen von bis zu sieben Prozent einbringen. Der Dispokredit gehört zu den teuersten Krediten, die es gibt.

Kreditkarte

Das Gleiche wie für den Dispokredit gilt für eine Kreditkarte. Auch hier ist eine Umschuldung sogar bei kleineren Raten lohnenswert: Wenn die Karte mit 1.500 Euro zum Zinssatz von 14 Prozent belastet wird, sind es innerhalb kurzer Zeit einige hundert Euro, die Sie mit einer günstigen Umschuldung sparen.

Umschuldung – worauf muss ich achten?

Informieren Sie sich vor der Kreditumschuldung unbedingt, wie hoch die Vorfälligkeitsentschädigung ist. Diese Kosten sollten Sie in die Überlegung mit einbeziehen, ob eine Umschuldung sinnvoll ist. Die Vorfälligkeitsentschädigung gehört zu den wichtigsten Punkten, der nicht außer Acht gelassen werden darf. Wer glaubt, die Bank sei froh, wenn sie das verliehene Geld vorzeitig zurückbekommt, irrt. Je länger die Laufzeit des abgeschlossenen Darlehens ist, desto höher sind die Zinsen und damit verdient die Bank ihr Geld. Daher möchte sie das geliehene Geld nicht vorzeitig haben, sondern zu den vertraglich vereinbarten Konditionen.

Wer das Darlehen vorzeitig ablösen mochte, muss der Bank deshalb häufig eine Vorfälligkeitsentschädigung zahlen. Damit entschädigt der Kreditnehmer sie für die Zinsen, die dadurch wegfallen. Die Höhe der Vorfälligkeitsentschädigung fällt teilweise sehr unterschiedlich aus und hängt, wie bereits erwähnt, auch davon ab, wann der Kredit aufgenommen wurde.

Eine Faustregel besagt: Wenn der neue Kredit 0,2 Prozent günstiger ist als der alte, ist eine Umschuldung meist lohnenswert.

Unerlässlich ist bei einer Umschuldung grundsätzlich ein sorgfältiger Kreditvergleich. Wie bei allen Krediten unterscheiden sie sich hinsichtlich der Zinsen und Konditionen mitunter erheblich voneinander. Achten Sie beim Vergleich unbedingt auf den Effektivzins, denn nur damit können Sie den neuen Kredit mit dem alten Darlehen vergleichen. Anders als der Nominalzins enthält er sämtliche Kosten und Gebühren, sodass er einen guten Überblick über die Gesamtkosten des Kredits gibt.

Umschuldungskredit: Online oder Hausbank

Die Kreditumschuldung ist bei der gleichen oder einer anderen Bank möglich. Im Internet können Sie sich bei den Anbietern nach den Konditionen der jeweiligen Umschuldungskredite erkundigen. Diese Anfrage können Sie online stellen und somit mehrere Angebote einholen, um sie miteinander zu vergleichen. Im Allgemeinen geben die Online-Anbieter ihren Kunden gegenüber der Hausbank meistens viel bessere Konditionen. Der Grund hierfür ist, dass die Kosten für Miete, Personal etc. entfallen. Direktbanken schulden daher in der Regel günstiger um. Lohnenswert ist ein Kreditrechner im Internet, unter dem zahlreiche Kredite verschiedener Anbieter zu den unterschiedlichsten Zinsen und Konditionen angeboten werden. Wählen Sie beim Kreditvergleich den Verwendungszweck „Umschuldung“ aus. Dann bekommen sie lediglich die Angebote angezeigt, die die Banken für eine Umschuldung anbieten. Der Kredit kann dadurch zudem günstiger werden, da die Bank darüber informiert ist, dass der Antragsteller kein zusätzliches Darlehen aufnehmen, sondern lediglich die bestehende Restschuld begleichen will.

Voraussetzungen für Umschuldung?

Wenn Sie über eine Umschuldung nachdenken, sollten Sie sich zunächst einmal erkundigen, wie lange die Sollzinsbindung des Kredits noch läuft. Im Allgemeinen gilt: Je größer der jeweilige Zeitraum zwischen der Zinsbindung und Umfinanzierung ist, umso teurer kann das Umschulden werden. Läuft die Zinsbindung regulär aus, kann der Kredit umgeschuldet werden, ohne dass eine Entschädigungszahlung geleistet werden muss.

Oftmals sind von einer Umschuldung zweckgebundene Kredite wie der Autokredit ausgenommen. Bei einer Autofinanzierung besitzt der Kreditnehmer in vielen Fällen nicht den Fahrzeugbrief, sondern die Bank. Erkundigen Sie sich am besten bei Ihrer Bank, ob eine Umschuldung des zweckgebundenen Darlehens möglich ist. Ein klassischer, nicht zweckgebundener Ratenkredit oder Sofortkredit lässt sich problemlos umschulden. Dabei spielt es keine Rolle, ob das Darlehen in einer Bankfiliale oder online abgeschlossen wurde. Die persönliche Bonität beeinflusst in der Regel die Kreditzinsen, denn die meisten Ratenkredite werden zu bonitätsabhängigen Zinsen vergeben. Daher muss geprüft werden, zu welchen Konditionen der neue Kredit erhältlich ist. Auch dies lässt sich durch einen Vergleich einfach herausfinden.

Hinweis: Wer einen Kredit ohne Schufa für die Umschuldung sucht, der wird enttäuscht sein. Evtl. können hier Menschen mit Geldproblemen über eine Schuldnerberatung noch ein individuelles Kreditangebot bekommen. Die Schufa und andere Bonitätsauskünfte sehen häufig ein Darlehen lieber als mehrere Kleine.

Optimale Vorgehensweise vor einer geplanten Umschuldung:

  1. Kreditkosten, Laufzeit und Zinssatz des oder der aktuellen Darlehen prüfen
  2. Restschuld ermitteln und Ablösebetrag berechnen (notfalls beim Anbieter erfragen)
  3. passende monatliche Rate wählen
  4. unverbindliche, kostenlose und schufa-neutrale Angebote einholen und Konditionen mit einem Kreditvergleichs-Rechner vergleichen
  5. jeweilige Ersparnis berechnen
  6. Vorfälligkeitsentschädigung in Erfahrung bringen
  7. Kündigungsfrist beachten
  8. Umschuldungskredit beantragen: als Verwendungszweck „Umschuldung“ angeben

Fazit zum Umschuldungskredit

Kredite sind oftmals deutlich günstiger als vor einigen Jahren. Mit einer Umschuldung können Sie die Kosten senken. Wenn Sie einen Kredit umschulden möchten, ist es meist lohnenswerter, wenn das Darlehen noch einige Jahre läuft. Bei einer vorzeitigen Ablösung können Banken eine Vorfälligkeitsentschädigung erheben, die bei der Entscheidung unbedingt berücksichtigt werden sollte. Die genaue Höhe des neuen Zinssatzes ist von der Kreditwürdigkeit bzw. Bonität des Antragsstellers abhängig. Banken lassen sich ein erhöhtes Ausfallrisiko in der Regel mit höheren Zinsen bezahlen.

Die Kreditwürdigkeit kann der Kreditgeber, wie es wahrscheinlich auch beim ersten Kredit geschehen ist, am besten anhand der Gehaltsnachweise prüfen. Die Schufa wird zum Schutz des Verbrauchers immer abgefragt, wenn ein Kredit beantragt wird. Das Gleiche gilt bei einer Kreditumschuldung. Je weniger negative Schufaeinträge vorhanden sind, desto besser schätzt die Bank die Kreditwürdigkeit ein. Die Auskunfteien bewerten es als positiv, wenn statt vieler Kredite nur ein Darlehen steht. Durch eine Umschuldung kann somit oftmals der Bonitätsscore verbessert werden. Achten Sie beim Vergleich der Angebote immer auf den Effektivzinssatz, denn er enthält bereits alle Nebenkosten. Den besten Umschuldungskredit zu bekommen, ist nicht zeitaufwändig, sondern dauert im Internet mit einem Vergleichsrechner nur wenige Minuten. Ohne Vergleich sollte grundsätzlich kein Kredit aufgenommen werden.